Das solltest Du wissen, bevor Du Dir ein Liegerad mit E-Motor zulegst!

Das solltest Du wissen, bevor Du Dir ein Liegerad mit E-Motor zulegst!

Vor einiger Zeit erhielt ich einen Kommentar auf meinem Blog: Ein E-Biker, der sich offensichtlich an einem Nachmittag recht spontan für den Wechsel von einem gewöhnlichen E-Bike zu einem Liegerad mit E-Motor entschieden hatte, war schon nach der ersten Fahrt im heimischen und bergigen Terrain vollkommen enttäuscht und vollkommen unzufrieden.
Schon nach wenigen Tagen hat er sich sogar von dem erst neu erworbenen Liegerad getrennt und mir diesen Frust aus voller Seele in den Posteingang geschoben.
Er beklagte sich bei mir, über seine Erfahrungen mit dem Liegeradkauf! Ich war zunächst sehr betroffen über die geschilderten Erfahrungen und habe sofort diesem Radfahrer auch mein Bedauern mitgeteilt.
Leider stellten sich bei der Überprüfung des Sachverhalts heraus, dass wohl alles nicht ganz so der Wahrheit entsprach, wie man das hätte erwarten müssen! Damit könnte die Sache eigentlich beendet sein, und ich beschloss, dass dieser eher unschöne, unsachliche und nicht vollkommen der Wahrheit entsprechende Kommentar nichts auf meinem Blog zu suchen hätte. Aber einige Aussagen und Schilderungen möchte ich doch noch einmal aufgreifen und hier thematisieren.

Der Wechsel von einem „Hochkantrad“ zum Liegerad mit oder ohne E-Motor ist nicht ganz typisch

Das konventionelle Fahrrad ist sicherlich für fast alle Radfahrer seit vielen Jahren die Normalität und man fühlt sich darauf mehr oder weniger sicher. Es ist leicht händelbar, reagiert bekannt, und die Muskulatur hat sich bei vielen Menschen so entwickelt, dass das gewohnte Radfahren eigentlich kaum mehr als muskuläre Anspannung wahrgenommen wird. Wechselt man jetzt auf das eigentlich noch bequemere Liege-(zwei)rad, wird man womöglich zunächst das Radfahren noch einmal wieder lernen müssen. Das geht zwar üblicherweise innerhalb von einer halben Stunde, aber diese halbe Stunde kann manchmal recht lang werden;-)

Vor Jahren fuhren wir an jedem Karfreitag zu einem niederländischen Liegeradhersteller und probierten neue Modelle aus. Auf jeweils passend eingestellten Liegerädern erlernten auch die neuen Liegeradfahrer dies innerhalb einer kurzen Zeit und fuhren dann gleich am ersten Tag sogar ca. 40 km auf den noch ungewohnten Liegerädern. Üblicherweise stellte sich schon nach wenigen Minuten das breite „Liegeradgrinsen“ ein. Und auf dem Rückweg der Rundstrecke stellten die noch unerfahrenen Radler auch schon selbst fest, dass man als Liegeradfahrer deutlich schneller unterwegs ist als mit einem konventionellen Fahrrad. Vor allem, wenn man Gegenwind hat. Trotzdem äußerten mehrere Radfahrer auch nach dem ersten Tag einen gewissen Muskelkater im Hals, oder in der Beinmuskulatur. Liegeradfahrer nutzen eben etwas andere Muskeln als übliche Radfahrer. Aber das ist wirklich nur ein kurzes Phänomen. Eher wird meist der Vorteil einer entspannten Haltung und die fehlenden Belastungspunkte am Hintern, an Schultern, Handgelenken wie beim üblichen Radfahren positiv erfahren.
Muss man dann jedoch erstmals einen Berg erfahren, werden häufig all die positiven Erfahrungen wieder infrage gestellt, weil man das Gefühl hat, nur noch erheblich langsamer fahren zu können! Außerdem hat man wieder Gleichgewichtsprobleme, wenn man extrem langsam fahren muss. In hügeligen Regionen wohl die beiden Hauptargumente, wenn man begründet, warum das Liegerad nicht favorisiert wird.

Zwei- und dreirädriges Liegerad

Wer vom zweirädrigen Liegerad auf das dreirädrige Liegerad wechselt, spürt zunächst einmal die Ruhe und Bequemlichkeit, weil man keine Gleichgewichtsprobleme mehr hat. Auch nicht, wenn man gaaaanz langsam fährt oder an einer Ampel zu stehen kommt, und einfach in der Position verharren kann, ohne ein Bein abzustellen oder nach einem Haltegriff zu suchen. Allerdings ist der Umstieg von zwei auf drei Rädern auch mit einem Geschwindigkeitsverlust verbunden. Drei Räder haben nämlich einen höheren Rollwiderstand als zwei. Zudem kann man sich jetzt nicht mehr so forsch in die Kurve neigen, wie man das zuvor noch konnte. Überdies hat man zumindest als Anfänger noch das Gefühl, einen erheblich größeren Wendekreis zu haben und an Wendigkeit im Straßenverkehr nochmals einzubüßen.

Liegerad mit E-Motor oder noch ohne …

Das Angebot meines Liegeradhändlers, einen E-Antrieb an meiner Liege nachzurüsten, hatte ich bereits vor vielen Jahren verständnislos abgelehnt, weil ich auch auf meinem Liegerad ohne E-Motor schneller als 25 km/h fuhr, und insofern überhaupt keinen Vorteil durch den E-Antrieb für mich ausmachen konnte. Diese Feststellung führte auch dazu, dass sich zweirädrige Liegeräder in Deutschland immer mehr zu einem Nischenfahrzeug entwickelten. Denn den ansonsten höheren Rollwiderstand eines dreirädrigen Trikes kann man ja durch den Elektroantrieb nunmehr auf den Motor verlagern. Die „Eierlegendewollmilchsau“ war damit geboren. Weniger Krafteinsatz, keine Gleichgewichtsproblematik mehr, auch gesundheitlich gehandicapte Personengruppen konnten sich problemlos einem derartigen Fahrrad bzw. Liegerad zuwenden.

Unterschiedliche Motoren

Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich aktuell noch immer lediglich Liegeräder ohne E-Unterstützung fahre. Insofern verfüge ich über keinen eigenen Erfahrungsschatz bei der Auswahl von Elektromotoren und verweise da eher auf die Beratung durch die entsprechenden Anbieter. Auf den obigen Fall bezogen, habe ich später erfahren, dass der Radfahrer auf den Vergleich mit anderen Motoren komplett verzichtet hat und sich sehr unkritisch auf die Motorisierung des aktuell einzig zur Auswahl stehende Liegedreirad festgelegt hatte. Dabei entsprach das bergige Heimatterrain in keiner Weise dem Probeparcours auf einem flachen Fabrikgelände. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf die Motorenvielfalt und die vielen Hinweise in meinem Interview mit Aleksandr Calih von der Fa. SpecBike Technics verweisen.

Damals hatte dieser ja darauf hingewiesen, dass aktuell die Fa. SpecBike Technics die größte Auswahl an unterschiedlichen elektrischen Unterstützungssystemen vorhält.
Daher ist es in der Tat schwierig zu sagen, welcher E-Motor der geeignetste ist und man sollte insofern die Beratungskompetenz der Anbieter nutzen. Hier noch einmal der Link zu diesem Artikel!

Fazit:

Die Erfahrungen des o. a. Fahrradfahrers habe ich zeitnah bei einer Radtour meiner Liegeradgruppe, mit der „Grafschafter Liegeradfraktion“ zu einem niederländischen Eisbauern thematisiert. Alle hatten ihre eigenen Erfahrungen zu diesem Thema. Aber alle haben auch einen recht smarten Übergang vom normalen „Hochkant-“ zum Liegezweirad, später zum Liegedreirad und einige danach zum Liegerad mit E-Motor durchlaufen. Wer also direkt vom gewöhnlichen E-Bike zum Liegedreirad mit E-Motor wechselt, wird gewisse Umstellungen erfahren und womöglich auch selbst erleben müssen. Insofern muss man sich und der Muskulatur ein wenig Zeit lassen, um einen Wechsel hinzubekommen. Und ich kann jedem versichern, dass am Ende sich ein mehr als zufriedenes „Liegeradgrinsen“ einstellen wird.

2 Gedanken zu „Das solltest Du wissen, bevor Du Dir ein Liegerad mit E-Motor zulegst!

  1. Gerade gesehen: Bericht über Liegerad. Mein Entschluß für ein Liegerad stand fest, als ich im Spektrum der Wissenschaft einen Artikel las, der sich mit Luftwiderstand beim Radfahren befasste. Da sah ich zum ersten Mal ein Liegerad erwähnt. Es dauerte noch einige Jahre, bis ich dann mein eigenes hatte: Ein Flevobike! Anfangs zweifelte ich sehr, ob die Entscheidung für dieses Rad richtig war. Durch die gewöhnungsbedürftige Geometrie brauchte ich doch fast ein Jahr, bis ich es locker beherrschte. Schließlich müssen die Füße mitlenken.
    Inzwischen habe ich etliche Urlaubsfahrten hinter mir, unter Anderem zweimal eine Japan-Reise. Das ‚Fahrrad zerlegt, und im Karton im Flugzeug mit genommen. Es gibt kein schöneres Fahren, als mit dem Liegerad, zumal man eine gesunde Körperhaltung dabei inne hat, im Gegensatz zum Rennrad. Man sieht die ganze Welt vor sich.
    Viele Grüße aus der heidelberger Gegend.
    Wolfgang

    1. Ohhhh – das Flevobike – vor Jahren war das auch mein Traum:-). Aber ich scheute mich, noch einmal wieder auf dem Rad ganz von vorne anzufangen. Ich habe viele Blogbeiträge dazu gelesen. Hatte mir auch einmal den Bauplan vom Python Liegerad heruntergeladen. Aber es ist leider nicht mehr dazu gekommen.

      Nach wie vor fahre ich gerne Liegedreirad. Inzwischen genieße ich nicht nur das schnelle, sondern auch das gemütliche (Liege-)Radfahren.
      Ganz liebe Grüße in Richtung Heidelberg.

      Burkhard

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