Von Neuenhaus nach Gomel – die erste Etappe

Von Neuenhaus nach Gomel – die erste Etappe

Neuenhaus, den 30.03.2006

08:00 Uhr … sieben Grad – Regen. Keine idealen Bedingungen für einen Start mit dem Fahrrad zu einer derartigen Radtour. Schon nach fünf Kilometern war ich durch und durch nass! Dabei sollte es der Anfang einer Radtour in drei Etappen werden. Am zweiten Tag wollte ich bereits in Berlin angekommen sein. Im Sommer dieses Jahres wollte ich dann bis nach Warschau radeln und im Frühjahr des folgenden Jahres bis nach Gomel in Weißrussland. Im Vorfeld zu dieser Reise hatte ich eine ganze Menge Werbung initiiert, um Sponsorengelder für die Kinderhilfsaktion zu sammeln. Rundfunk und Fernsehen hatten sich interessiert und wollten sogar vom Start live berichten. Aber, angesichts der Wetterlage mit Regen und Kälte war meine Aktion plötzlich nicht mehr interessant für irgendwelche Filmaufnahmen. Ich selbst wollte aber nicht den Start verschieben, sondern fuhr trotz dieser widrigen Bedingungen los.

Nach 56 km war ich in Fürstenau, noch immer regnete es. Die mir entgegenkommenden Autos zogen einen richtigen Wasserschweif hinter sich her. Ich hatte mir für derartige Fahrten bereits zwei Löcher in den Liegesitz gebohrt, sonst bildet sich unter dem Hintern ein richtiger See und man sitzt wie in einer Badewanne – nur eben sehr viel ungemütlicher. Bei einem Café in Fürstenau hielt ich an, bestellte einen heißen Tee und stiefelte pitschnass gleich an der Bedienung vorbei, um mir trockene Klamotten anzuziehen. Als der Regen aufhörte, fuhr ich weiter. Aber auf den nächsten 100 km überraschten mich immer wieder leichte Schauer – und es blieb kalt und feucht! Ich war ziemlich demoralisiert.

…152 km – hinter Freistatt über Kirchdorf, Loccum nach Wunstorf.

…163 km – in Wunstorf ließ man mich deutlich wissen, dass man mit dem Fahrrad nicht nach Hannover fahren kann! Ein älterer Herr schüttelte heftig mit dem Kopf, als ich mich nach dem Weg nach Hannover erkundigte. “Das geht nicht, hier können Sie nur mit dem Auto nach Hannover fahren”, war seine etwas barsche Antwort. Dass es trotzdem klappte, beweist die Tatsache, dass ich irgendwann doch wieder auf einen Radweg traf und meine Fahrt fortsetzen konnte.

…223 km – endlich in Hannover. Bei einem ehemaligen Arbeitskollegen aus Nordhorn konnte ich übernachten und mich erst einmal wieder aufwärmen. Erst nach einer riesigen Pizza und einem großen Bier fand ich wieder zu meiner guten Laune zurück.

Rechtzeitig nach dem Frühstück, um 07:00 Uhr, fing es wieder an zu regnen! Ich suchte mir einen Weg rund um das Messegelände der Expo und strampelte in Richtung Burgdorf. Von dort aus immer der B 188 folgen. Die weitere Strecke verlief über Uetze, Meinersen, Gifhorn, Wolfsburg, Mieste, Gardelegen, Stendal, Rathenow bis ich kurz vor Nauen zu allem Überfluss noch eine Fahrradpanne hatte. Es war schon fast mitten in der Nacht, als ich endlich Berlin erreichte. Nur gut, dass ich in Berlin Bekannte aus der Grafschaft hatte, wo ich übernachten konnte. Meine erste Etappe hatte ich geschafft. Ca. 500 km in zwei Tagen bei Regen und Kälte.

Die komplette Geschichte meiner Liegeradtour bis nach Gomel kannst Du in meinem Buch: „Die außergewöhnlichen Radtouren eines Bürokraten“ lesen. Neben Reiseberichten findest Du dort auch lustige Geschichten auf dem Rad sowie Tipps und Erfahrungen mit unterschiedlichen Rädern.

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