(Reise-)Tagebuch schreiben – noch üblich?

(Reise-)Tagebuch schreiben – noch üblich?

Seit vielen Jahren schreibe ich Tagebuch. Inzwischen regelmäßig und mit Begeisterung! Weil es mich unterstützt, weil es mir Tagesstruktur verschafft und sogar hilft, Dinge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In der Vergangenheit, aber auch in der Zukunft!

Begonnen hat alles mit einem Reisetagebuch.

Begonnen hatte ich mit einem Reisetagebuch auf meinen vielen Radtouren. Und mit einem Trainingstagebuch, wenn ich im Januar oder Februar meine ersten Trainingsrunden auf Mallorca drehte. Jede Trainingsstrecke, ergänzt um die Daten der gefahrenen Zeit, Durchschnittsgeschwindigkeit, Puls, Wetter und natürlich einzelne Erinnerungen, Eindrücke und Erlebnisse konnte ich so noch nach Jahren vergleichen und auswerten (meine Erkenntnis: Die durchschnittliche Geschwindigkeit nahm immer mehr ab, die Erlebnisse und Erkenntnisse wurden immer mehr und eigentlich immer lesenswerter!)

…nach einer langen, anstrengenden Radroute in Italien, schrieb ich abends in mein Reisetagebuch 🙂

Der 12. Juni ist der Tag des Tagebuchs!

Warum ich jetzt über das „Tagebuch schreiben“ schreibe? Vor wenigen Tagen, genau gesagt am 12. Juni, ist alljährlich der Tag des Tagebuchs! Unter Google findet man ungefähr 118 000 Ergebnisse zu diesem Tag. Dabei geht es um die Entstehung und Bedeutung des Tages sowie Blogartikel, Buchvorschläge und Tipps zu diesem Thema. Und es gibt massenhaft Hilfestellungen, wie man selbst ein „Tagebuchschreiber“ werden kann. Dabei soll dieser Tag an das Tagebuch der Anne Frank erinnern und dazu aufrufen, eigene Erlebnisse in schriftlicher Form festzuhalten!

Ein Tagebuch ist ein Zwiegespräch, das du mit dir selbst führst. Es hilft dir, deinen Tag zu reflektieren, zu philosophieren, schöne Momente festzuhalten, dir negative Erinnerungen von der Seele zu schreiben, schlechte Laune zu reduzieren, Gedanken und Ideen zu sammeln und dir selbst Raum zu geben

www.Utopia.de

Diese Formulierung fand ich im Internet und gefällt mir am besten!

Meine morgendliche Zeremonie!

Während ich früher das Tagebuch ein wenig sehr altbacken fand und eher auf dem Schreibtisch eines Mädchens verortete, notiere ich inzwischen täglich beim morgendlichen Kaffee einige Erinnerungen an den vergangenen Tag, einige Überlegungen für den bevorstehenden Tag, aber auch – sehr praktisch – einen Absatz: to do´s! Dinge, die mir spontan im Laufe des Tages einfallen und die ich irgendwann in näherer oder weiterer Zukunft noch erledigen möchte.

Tagebuch online oder in einem kleinen Leder-Buch mit Schloss?

Inzwischen nutze die Notizbuchfunktion auf dem Handy für meine täglichen Einträge, spontanen Einfälle und Ideen. Jeden Morgen, bevor ich meine neuen Tagebucheintragungen mache, schicke ich meine Notiz vom Vortag an meine Email-Anschrift und organisiere im Laufe des Tages dann auch meine Erinnerungslisten und to do´s in einem Tagebuchdokument. Und dann genieße ich es hin und wieder, in alten Aufzeichnungen zu stöbern. Was war heute vor einem, zwei oder mehreren Jahren passiert, welche Pläne hatte ich entwickelt und – was ist daraus geworden?!

Tagebuch mit „Suchen-Funktion“

Und die neuen Techniken bieten noch mehr Chancen. Recht einfach kann ich mir eine elektronische Version meines Tagebuches für das vergangene Jahr in meine „Onlinebücherei“ einstellen und wesentlich bewusster, einfacher und regelmäßiger erinnert man sich an besondere oder alltägliche Dinge, Situationen oder Begebenheiten.
Und ich nutze die “Suchen Funktion” nach Schlagwörtern. Wenn ich also den Namen eines meiner Kinder, irgendeines (Urlaubs-)Ortes eingebe, finde ich sofort eine Zusammenstellung aller Erlebnisse im Laufe mehrerer Jahre und komme so auf ganz neue Erinnerungsfelder.

Ein Buch entsteht – aus einem Tagebuch

Ich will nicht verheimlichen, dass ich mein Buch “Die außergewöhnlichen Radtouren eines Bürokraten” auf diese Weise recht schnell zusammenstellen konnte. Auch die Überarbeitung der einzelnen Geschichten und Details war wesentlich einfacher, da ich auf meine alten Aufzeichnungen zurückgreifen konnte.

Ich fotografiere sehr ungern 🙁

Da ich eigentlich kein typischer Fotograf bin, der seine Fotoausrüstung ständig mit sich führt, haben sich für mich jetzt durch das Handy ganz neue Chancen entwickelt. Inzwischen fotografiere ich deutlich öfter als früher! Und ich kann diese Bilder inzwischen sogar zu kleinen Filmen auf YouTube verarbeiten. Ich kann Daten über zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegte Strecken auf verschiedenen Apps einfach in meine Tagebuchaufzeichnungen einfließen lassen. Ich kann Tonaufnahmen mit Vogel- und Umweltgeräuschen, Musik- oder Tonmitschnitte mit meinem Handy aufzeichnen und so mein Tagebuch ergänzen.
Und es ist nicht mehr das “altbackene Tagebuch”, für das man sich bei seinen Mitmenschen erklären muss!. Ein Handy ist übliche Technik im Straßenbild. Es ist nicht außergewöhnlich, nicht erklärungsbedürftig, ständig sein Handy dabei zu haben, etwas zu schreiben oder ein Foto zu machen. Es ist einfach normal geworden. Jeder Mensch greift nach meiner Wahrnehmung unverzüglich zu seinem Handy, wenn er sich einmal allein weiß, zur Ruhe kommt, sich an einen Tisch setzt oder sich in Positur setzt.

„Bin ich womöglich nur noch von „Tagebuchschreibern“ umgeben?“ stelle ich mir manchmal die Frage. Ich sehe sooooo viele Handynutzer um mich herum 😉

„Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr.“

Albert Einstein (Physiker und Nobelpreisträger, 1879-1955) über die Relativitätstheorie

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