Hunde und Liegeräder

Hunde und Liegeräder

Man schaut nur in lachende Gesichter: Entgegenkommende Menschen und Radfahrer lachen zumeist, wenn sie einen Liegeradfahrer sehen. Am schönsten ist das Gefühl, wenn sich zwei Liegeradfahrer begegnen!

…aus meinem Artikel: „11 Gründe warum ich so reise wie ich reise: mit dem Liegerad und in Etappen“

Anders ist es aber bei Tieren. Während Pferde bei der Begegnung mit einem Liegerad häufig fluchtartig ins Galoppieren verfallen, reagieren Hunde dagegen eher gereizt und aggressiv, wenn sie ein Liegerad in Bewegung sehen.
Da man sich ja mit größeren Hunden quasi “Auge in Auge” bewegt, ergeben sich durchaus auch brenzlige Situationen. Zumindest macht sich bei mir zuweilen auch ein Gefühl von Angst breit.

Ein paar dieser Situationen will ich hier beschreiben:

In den nordgriechischen Bergen auf der Höhe von Korfu:

… Man hatte uns auf dem Campingplatz in Ioannina den Tipp gegeben, wilden Hunden gegenüber keine Angst zu zeigen. Immer wieder wären Radfahrer in den Bergen wegen der Hunde umgekehrt und hatten die Fahrt abgebrochen. Tatsächlich trafen wir auch auf mehrere verwilderte Hirtenhunde, die uns die Straße versperrten. Schräg versetzt, mit Tränengas und gezücktem Klappspaten – nur eine Hand am Lenkrad – passierten wir die aggressiv bellenden Hunde und stampften uns die Passstraße hinauf. Und tatsächlich, die Hunde griffen nicht an, sie beobachteten uns sehr genau und, als wir auf gleicher Höhe waren, drehten sie zur Seite und trollten sich gnädig. Trotzdem blieb die Angst vor diesen Hunden. Auch später in der Türkei machte ich meine Erfahrungen mit diesen sehr aggressiv wirkenden Hunden und ich lernte dazu…

Mein Freund Klaus W. hat wieder einmal ein Bild dieser Situation „gebastelt“! Vielen Dank für diese gelungene Arbeit!
Im Hinterland der Türkei:

…Die ersten Kilometer waren noch ganz flach und dann kam es auch wieder: eine „Rampe“, also ein Anstieg nach dem anderen. Zunächst hatte ich noch den Anspruch, nicht schieben zu müssen. Aber das war irgendwann nicht mehr möglich. Als ich ein Hundebellen hörte, das immer lauter wurde, obwohl ich eigentlich mit dem Anstieg und der Anziehungskraft der Erde vollauf beschäftigt war, erkannte ich die Situation. Ich musste absteigen.
Drei kräftige, zottelige Hunde waren mir seit ca. 200 m von irgendwoher gefolgt und bellten aggressiv. Mein Rufen und Drohen in allen möglichen Fantasiesprachen konnte sie nicht wirklich abschrecken. Sie hatten mich jetzt offensichtlich zu ihrem Feindbild erklärt. Ein zufällig vorbeikommender Pick-up Fahrer erkannte die Situation und hielt an. Er kletterte aus seinem sicheren Auto, bückte sich und warf sofort mehrere faustdicke Steine nach den Hunden – und diese Sprache verstanden sie offensichtlich. Nach und nach drehten sie ab und trollten zurück. Für mich eine Demonstration! Ich bedankte mich bei dem Fahrer und hatte dazugelernt. Für die nächsten Tage steckte ich mir auch drei Steine in die Trikottasche – und konnte sie jedoch ungenutzt wieder mit nach Hause bringen…

In Weißrussland:

…gegen Abend musste ich noch meine “Sprinter-Qualitäten” unter Beweis stellen, als zwei halbstarke Hunde wild kläffend meine Verfolgung aufnahmen. Ich weiß gar nicht, mit welchen Worten ich sie angeschrien habe. Aber es half irgendwann. Ich schiebe es meiner Sprache zu. Sie waren offensichtlich der deutschen Sprache nicht mächtig und drehten daher plötzlich verunsichert oder beleidigt um…

Mein Sicherheitskonzept:

Aufgrund der Erfahrungen mit den wilden Hunden in Griechenland und der Türkei dachte ich darüber nach, wie ich mich in solchen Situationen verhalten und ggf. schützen konnte. Als Liegeradfahrer weiß ich, dass gerade Hunde sehr aggressiv auf Liegeräder reagieren. In der Regel wollen sie die Verfolgung aufnehmen und zerren an der Leine, wenn sie ein Liegerad sehen. Wenn sie aber unbeaufsichtigt herumlaufen, kann das schon einmal sehr problematisch werden. Bei der Reise durch Russland konnte ich mit lautem Schimpfen in deutscher Sprache diese offensichtlich so irritieren, dass sie umdrehten. Aber einen gehörigen Schrecken hatten sie mir schon beigebracht.

Walking Stöcke zur Sicherheit gegen Hunde!?


Für meine Reise durch die Türkei hatte ich zwei Walking Stöcke dabei, um mir ggf. irgendwelche Hunde vom Hals halten zu können. Während der Fahrt hatte ich sie zwischen Gepäcktaschen und Gepäckträger nur mit einem Gummi aus Fahrradschlauch notdürftig fixiert und mit jeweils einem Fähnchen ausgestattet. So sahen die Stöcke relativ ungefährlich aus und hatten für Außenstehende die Bedeutung von Sicherheitsfähnchen. Ich konnte sie schnell abnehmen und hoffte, damit die Hunde zumindest auf eine gewisse Entfernung halten zu können. Gebraucht habe ich sie allerdings nicht.
In der Situation, wo ich den drei Hunden alleine gegenüberstand, hatte ich erfahren müssen, dass Steine offensichtlich eine bessere Hilfe darstellen. Ich könnte mit den Steinen so die Hunde auf Distanz halten. Gleichzeitig hätte ich als Fahrer eine etwas geschützte Position hinter meinem Rad einnehmen können. In der Folge hatte ich, zumindest in der Türkei, auch ständig welche in meiner Trikottasche, um damit auch werfen zu können, wenn gerade keine Steine auf der Erde herumlagen.


Es würde mich einmal interessieren, was Hundekenner uns Liegeradfahrern in solchen Situationen für Tipps geben könnten?!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.